„Bildungsmonitor“: Einer ist immer der Vorletzte

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Alle Jahre wieder wird der „Bildungsmonitor“ veröffentlicht, eine fragwürdige Studie, die das fragwürdige Institut der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag der fragwürdigen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) erstellt. (Unsere Bedenken kamen bereits im Beitrag „Bildung und Schule unter dem Regime von PISA, Bertelsmann & Co“ zum Ausdruck.)

Vor ein paar Tagen präsentierten die INSM und das IW den „Bildungsmonitor 2014“, woraufhin Wolfgang Lieb auf den Nachdenkseiten eine ausführliche Kritik an dieser Studie verfasste: „Der ‚Bildungsmonitor‘, die bildungspolitische Messlatte der Arbeitgeber“.

Nordrhein-Westfalen ist übrigens in diesem Jahr auf dem 15., also vorletzten Platz gelandet. Das ist nicht weiter tragisch, denn in jedem irrsinnigen Hunderennen oder Ranking gibt es einen Vorletzten und ferner: „Wäre ich Schul- oder Wissenschaftsminister in einem Land, das dieser ‚Bildungsmonitor‘ nicht so gut rankt, so würde ich einfach sagen, dass ich eine andere und umfassendere Bildungspolitik betreiben möchte als das arbeitgeberfinanzierte Institut der deutschen Wirtschaft und die PR-Agentur für eine neoliberale Politik, die INSM. […] Im Übrigen würde ich noch hinzufügen, dass die der Studie zugrunde gelegten Handlungsfelder und Indikatoren selbst zu den bildungspolitisch äußerst beschränkten Leitzielen häufig keinen eindeutigen Bezug haben, sondern häufig nur die Übertragung von interessengebunden, ideologischen Messkriterien auf das Feld der Bildungspolitik darstellen“ (Wolfgang Lieb, a.a.O.).

Wir sind einigermaßen gespannt, wie das Ministerium für Schule und Weiterbildung von NRW diese Platzierung erklärt (und mit welchem Innovationstamtam und Administrationsrummel es darauf reagiert). Ganz so einfach, wie Wolfgang Lieb es vorschlägt, kann es sich die Ministerin Sylvia Löhrmann indes nicht machen; den „Bildungsmonitor 2011“ kommentierte sie nämlich so:

Der Bildungsmonitor zeigt, dass die rot-grüne Landesregierung die Weichen in
der Bildungspolitik richtig gestellt hat. […] Ein hohes Bildungsniveau sichert die
Innovationsfähigkeit und den Wohlstand unserer Gesellschaft.

Zum „Bildungsmonitor 2012“ sagte sie:

Die Empfehlungen der Autorinnen und Autoren bestätigen, dass NRW
auf dem richtigen Kurs ist.

Dumm gelaufen — das kommt davon, wenn man blindlings, ohne Sinn und Verstand, ohne eigene Orientierung jedem fragwürdigen Ranking hinterherrennt.