Gelesen: „Mein Kopf ist voll!“

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Vor drei Jahren schrieb die damalige Schülerin Yakamoz Karakurt („Mein Kopf ist voll!“, Die Zeit, 18.08.2011):

Ich gehe in die 9. Klasse eines Hamburger Gymnasiums und habe ein Problem: Ich habe kein Leben mehr. Mit Leben meine ich Hobbys, Freizeit und Spaß. […]
Jeder weiß, dass die Schule nicht das Leben ist. Mein Leben aber ist die Schule, was heißt, dass da etwas falsch gelaufen sein muss. […] Mein Kopf ist voll. Zu voll. Was denken sich eigentlich diejenigen, die über unser Schulleben bestimmen? […]
Das, was ich hier schreibe, geht jeden etwas an: Schüler, Eltern, Geschwister, Lehrer.

Damit spricht sie vermutlich vielen Schülerinnen und Schülern aus der Seele, Schülern, die nach sechs Stunden Unterricht am Vormittag noch zwei Stunden am Nachmittag haben (vielleicht sogar Mathe…), die in Zeitnot für Klassenarbeiten und Klausuren lernen, die sich zudem Sorgen um ihren Notendurchschnitt machen.

Als Grund für all die Querelen nennt Yakamoz Karakurt die Verkürzung der Gymnasialzeit auf acht Jahre. Sicherlich hat G8 für einige neue Probleme gesorgt, aber manche, die ohnehin schon bestanden, hat G8 „nur“ verschärft. Stress, Leistungsdruck, Sorgen um Noten, oberflächliches Pauken für die nächste Klausur (in Verbindung mit einer „aus den Augen, aus dem Sinn“-Mentalität danach), all diese Übel gab und gibt es unabhängig von G8, quer durch alle Schulformen.

Somit spricht Yakamoz Karakurt nicht nur für G8-Gymnasiasten, wenn sie schreibt:

Ist es nicht verantwortungslos, eine Generation heranwachsen zu lassen, die keine Hobbys hat? Das heißt – eines haben wir alle. Aber soll ich meinen Kindern später erzählen, wie Facebook funktioniert, wenn sie mich fragen, wie es früher war? […]
Auf dem Gymnasium wird uns beigebracht, uns eine eigene Meinung zu bilden, aber nicht, wie wir sie äußern und damit etwas bewirken können. Ich finde aber, wenn einen etwas stört, ganz egal, wie winzig es für jemand anderen sein mag, muss man dagegen kämpfen. Es mag für einige übertrieben klingen, aber die Schule nimmt mir gerade das Wichtigste, was ich besitze: meine Kindheit.

Die online-Version ihres Artikels gibt es hier: http://www.zeit.de/2011/34/P-Schule/komplettansicht.