Innovationstamtam und Administrationsrummel

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Vor etwa sechs Jahren schrieb ein ehemaliger Schulleiter in einem Leserbrief:

[„Kopfnoten“ sind] eine der vielen Maßnahmen […], die über die wahren Gebrechen unseres Bildungswesens hinwegtäuschen sollen: In Klassen unter 25 Schülerinnen und Schülern gibt es keine Disziplin-, keine Sozialisierungs- und keine Motivationsprobleme.
Der gesamte Administrationsrummel und das Innovationstamtam der letzten Jahre soll nur eines verschleiern: Man will nicht das Geld für Bildung ausgeben, was eigentlich notwendig wäre. Solange sich da nichts ändert, wird alles so weiter gehen.[1]

Mit großer Sorge muss ich feststellen, dass der Hinweis auf das Innovationstamtam und den Administrationsrummel allzu berechtigt ist. Diese Kritik kommt auch in dem Büchlein „Schluss mit dem Bildungsgerede“ von Michael Felten, einem Mathematik- und Kunstlehrer aus Köln, zum Ausdruck:

Muss sich eigentlich alles ändern? Ist gute Schule wirklich so etwas Schwieriges, Neuartiges? Und diskutiert man überhaupt die richtigen Probleme, dreht an den passenden Stellschrauben? Eine Handvoll Pisa-Punkte mehr ist jedenfalls noch kein Beleg dafür, dass wir auf einem guten Weg sind. […]
Die Reformeuphorie hat eben auf eine ganze Reihe falscher Pferde gesetzt. Das fängt schon bei den Begriffen an. Wo vorwiegend von System, Evaluation, Standard oder Methode die Rede ist, da denkt man doch eher an Brötchenbackstraßen als an Menschenbildnerei![2]

In den nächsten Tagen werde ich an konkreten Beispielen verdeutlichen, was es mit dem Innovationstamtam und dem Administrationsrummel im Schulwesen auf sich hat. Es wird sich zeigen, dass nicht nur auf Teufel komm raus an den falschen Stellschrauben gedreht wird, sondern dass die Schulpolitik in Nordrhein-Westfalen allgemein in die falsche Richtung geht.


  • [1] Dr. Heinz Mundschau-Stamer, Aachener Zeitung, 29.09.2008
  • [2] Michael Felten. Schluss mit dem Bildungsgerede. Eine Anstiftung zu pädagogischem Eigensinn. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus, 2012. S. 8.