Die „Qualitätsanalyse“: ein seelenloses Instrument zur Gleichschaltung von Schulen

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Alles, was aus dem Ministerium für Schule und Weiterbildung kommt, steht unter dem Generalverdacht, dass es sich um seelenloses Innovationstamtam und/oder sinnlosen Administrationsrummel handelt — ein Innovationstamtam, das mitunter zu dem von der OECD gesteuerten Versuch gehört, das Schulwesen (über PISA, Lernstandserhebungen, Zentralabitur, Kompetenzorientierung) zu mcdonaldisieren und an nicht-pädagogischen Interessen auszurichten.

Zu diesem Versuch zählt die sogenannte Qualitätsanalyse (QA), die 2006 in Nordrhein-Westfalen eingerichtet wurde. Vor kurzem (21.01.2015) äußerten sich Sachverständige im Ausschuss für Schule und Weiterbildung des Landtags zur QA, darunter Prof. Dr. Jochen Krautz von der Universität Wuppertal und Dr. Matthias Burchardt von der Universität zu Köln. Anlass war ein Antrag der Fraktionen von SPD und Grünen mit dem Titel „Qualitätsanalyse –- ein wichtiger Baustein für die Schulqualität“.

Jochen Krautz sieht das bisherige Verfahren der Qualitätsanalyse grundsätzlich nicht nur „pädagogisch und rechtlich problematisch, sondern auch praktisch untauglich“. In seiner schriftlichen Stellungnahme heißt es ferner:

Die QA läuft […] Gefahr, die inzwischen gesellschaftlich offen liegende destruktive Wirkung dieses antihumanistischen und apersonalen Menschenbildes bis in die Schule hinein zu verlängern. […]
Die postulierte „Autonomie“ der Schulen und Lehrkräfte besteht tatsächlich in der Reaktion auf die Vorgaben, die die QA macht. Insofern wirkt die QA verdeckt und massiv normativ: Sie setzt ihr Bild von Schule und Unterricht in der Praxis durch, indem sie das Handeln der Lehrerinnen und Lehrer ohne Diskussion an den neuen Normen ausrichtet. […]
Tatsächlich ist ihr technoides Steuerungsmuster jedoch für komplexes menschliches Handeln unbrauchbar. Denn gerade pädagogisches Handeln steht immer vor neuen, einmaligen Situationen, die nicht durch standardisierte Methodentechnik beherrschbar sind. […]
Jeder Praktiker weiß, dass so niemals pädagogische Qualität erfasst werden oder entstehen kann. Unterricht ist eben kein technischer Regelkreis; er kann nur unter massiver und gewaltsamer Reduktion der Bildungsansprüche der menschlichen Person darauf reduziert werden.

Auch Matthias Burchardt lässt in seiner schriftlichen Stellungnahme kein gutes Haar an der „Qualitätsanalyse“:

Der Qualitätsbegriff der QA und des ›Referenzrahmens Schulqualität NRW‹ bildet nicht den Diskussionsstand des aktuellen erziehungswissenschaftlichen Fachdiskurses ab. Er ist einseitig und unterkomplex. An keiner Stelle der einschlägigen Dokumente wird der Versuch einer pädagogischen Begründung oder Diskussion inhaltlicher Bestimmungen von Qualität unternommen. […]
[Es] findet sich im Konzept dagegen eindeutig die Handschrift von Bildungslobbyisten, wie etwa der Bertelsmann Stiftung (Vgl. Bezüge zu SEIS, „Schule und Co“, „Selbständige Schule“), deren Einfluss auf Bildungspolitik in der Fachöffentlichkeit demokratietheoretisch und inhaltlich kritisch eingeschätzt wird. […]
Die systemischen Qualitätsdurchsetzungsstrukturen und –prozeduren (QUA-Lis NRW, Qualitätsteams, Kompetenzteams der Dezernate, Schulaufsicht…) errichten ein subtiles Regime von Kontrolle und Steuerung über den Lehrern und Schulleitung. Die „Qualitätstribunale“ werden trotz der Unterstützungsrhetorik als inquisitorisch erlebt.

Die „Qualitätsanalyse“ ist keineswegs ein „wichtiger Baustein für die Schulqualität“, sondern ein seelenloses Instrument, um Schulen gleichzuschalten.

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Quellen/Verweise: