Grüne NRW: „Schulentwicklung ist das Kerngeschäft von Schule.“

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Es gibt Wörter, die kann man nicht mehr hören, weil sie so oft und in so unbestimmter Weise gebraucht werden, dass die Wirklichkeit dahinter verschleiert wird. „Schulentwicklung“ ist so ein Wort.
In dem siebenseitigen Antrag „Bildung braucht Zeit — Auf gutem Weg zum Abitur“, den die Grünen NRW auf ihrem kleinen Parteitag im Dezember 2014 debattiert und beschlossen haben (wir berichteten), tauchte „Schulentwicklung“ in Varianten und Variationen 15-mal auf.

In Zeile 171 des Antrags hieß es sogar:

Schulentwicklung ist das Kerngeschäft von Schule.

Vielleicht sind wir ja naiv, aber bisher dachten wir — knapp formuliert –, das „Kerngeschäft“ von Schule sei es, Kindern und Jugendlichen etwas beizubringen. Oder ist das Kerngeschäft der Feuerwehr neuerdings die Feuerwehrentwicklung und nicht mehr die Brandbekämpfung? Das Kerngeschäft der Polizei die Polizeientwicklung und nicht mehr „Sicherheit und Ordnung“? Das Kerngeschäft einer Massagepraxis die Massagepraxisentwicklung und nicht mehr die Massage? Das Kerngeschäft einer Bank die Bankentwicklung und nicht mehr das Leihen und Verleihen von Geld? (Warum ist überhaupt von „Kerngeschäft“ die Rede und nicht von „Hauptaufgabe“?)

Der wirklichkeitsfremde Gebrauch von Wörtern wie „Schulentwicklung“ bestätigt leider, was Michael Felten in seinem Büchlein „Schluss mit dem Bildungsgerede!“ schreibt:

Tatsächlich vernebelt das Bildungsgerede unterschiedlichster Couleur den Blick für das Wirkliche und Mögliche in Sachen Schule. Was an dieser Hochstapelei besonders ärgerlich ist: Der gemeine Lehrer in seinem Alltagshandwerk hat ganz andere Sorgen, steht damit aber ziemlich allein da. […]
[M]an sollte das Ohr einmal an die pädagogische Basis halten. Denn von Praktikern, Menschen also, die täglich unterrichten und dies gerne und nicht gerade erfolglos tun, dringt merkwürdigerweise kaum ein Wort in die öffentliche Debatte — und das ist für diese verhängnisvoll.

Ein Schelm, der denkt, Bildungsgerede sei das Kerngeschäft von Bündnis 90/Die Grünen NRW!
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Quellen: