Löhrmanns Runder Tisch: Die GEW NRW macht jeden Tinnef mit

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Den Empfehlungen von Sylvia Löhrmanns Rundem Tisch hat neben vielen anderen die selbsternannte „Bildungsgewerkschaft“ GEW NRW zugestimmt (wir berichteten). In der von ihr herausgegebenen Zeitschrift nds wurde die GEW-Landesvorsitzende Dorothea Schäfer dazu interviewt (Ausgabe 11/12-2014, S. 14f, online hier):

[… die GEW NRW] hätte sich tatsächlich ins Abseits gestellt, wenn sie diese Empfehlungen abgelehnt hätte. Eine verbindliche Weiterentwicklung des achtjährigen Bildungsgangs am Gymnasium auf der Basis des Zehn-Punkte-Programms kann man doch nur dann ablehnen, wenn man die Beschwerden als überzogen bewertet oder sie ignoriert.

(Die Sinn- und die Wirkungslosigkeit der Empfehlungen scheinen kein Ablehnungsgrund zu sein.) In der jüngsten Ausgabe der nds erschien daraufhin ein Leserbrief von Dr. Friedhelm Lischewski (Ausgabe 1-2015, S. 15, online hier). Es folgt der im Gegensatz zur Version in der nds ungekürzte Wortlaut dieses Pamphlets.


Des Kaisers alte Kleider
Oder auch: Dick und Doof in der Strafkolonie
— Ein notwendiges Pamphlet —

von Dr. Friedhelm Lischewski

Es ist zum Haareausraufen: Die GEW macht jeden Tinnef mit, der in irgendeinem lichtlosen Kellerraum des Ministeriums zusammengestöpselt wird. Die Kolleginnen und Kollegen kommen sich großenteils vor wie das erwähnte Komiker-Duo; dass viele wegen Überlastung, die immer neue, häufig sinnentleerte Anforderungen mit sich bringen, krank werden, sei am Rande erwähnt. (Nur nebenbei: Hat eigentlich schon mal jemand über den Slogan „Bildung ist Mehrwert“ nachgedacht? Wirklich nachgedacht?).
G8 soll also durch „Zehn Empfehlungen“ des Runden Tisches gepimpt werden. Betrachten wir nur einige der epochalen Punkte:

  1. „ …, Lernzeiten entwickeln“ heißt nach allem, was ich gesehen habe, außer acht zu lassen, dass sich Lernen nur sehr unvollkommen (wenn überhaupt) verfügen lässt. Wenn man mal außerhalb der Auftragsforschung die Literatur sichtet, wird das schnell deutlich. „Lernzeiten“ sind im Regelfall für die Schülerinnen und Schüler nichts als eine Stunde mehr.
  2. „… eine neue „Anerkennungskultur“ etablieren. Zu recht werden Anführungszeichen verwendet (eine sogenannte Anerkennungskultur) für die schaumige Beschreibung der Folgenlosigkeit, denn (einmal abgesehen von den inhaltlichen Fragen, die ich hätte) wie soll sich eine neue „Anerkennungskultur“ etablieren lassen in nach wie vor zu vollen Klassen, von nach wie vor am Anschlag arbeitenden Lehrerinnen und Lehrern?
  3. „Bestehende schulinterne Lehrpläne erneut überprüfen“ bedeutet nicht, dem Kaiser neue Kleider zu verpassen, sondern allenfalls Flicken auf die alten, verschossenen, zu setzen, und das in dem Ambiente der Strafkolonie. Sandhaufen von links nach rechts schaufeln; fertig? Dann jetzt von rechts nach links.
  4. „Gestaltungsmöglichkeiten in der Oberstufe stärker nutzen“. Wie denn unter dem Eindruck dieses unsäglichen Zentralabiturs?
  5. „Wirksamkeit der Maßnahmen sichern und evaluieren“. Nur zwei kleine Fragen: Kriegen die, die das machen, dafür Entlastung? Oder läuft das so, wie weiland bei den hochgeschätzten Kopfnoten: Sie werden verfügt und wir machen’s; sie werden kommentarlos abgeschafft: War da was?

Das soll – in der hier gebotenen Kürze – erstmal reichen. Es ist insgesamt bei dieser Sorte Schulpolitik nichts zu sehen, was den Kindern und Jugendlichen nutzt und was die Kolleginnen und Kollegen in den Stand setzt, gelassener zu arbeiten. Das aber sollten die beiden Hauptrichtungen der Arbeit einer Bildungsgewerkschaft sein.
„Man kann Schlechtes verbessern,“ schreibt Barbara Kirchner, „ohne das anzutasten, was am Schlechten schlecht ist. Es wird dann anders schlecht, nicht besser. So kriegt man, bei bestem Gewissen, viel Zeit rum.“
Eben: Man muss den Hauptwiderspruch lösen. Nur: Wer soll das tun, wenn eine Bildungsgewerkschaft solch weichgespülte „Positionen“ vertritt?