G8/G9: Rein in die Kartoffeln, raus aus die Kartoffeln

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Drohender Machtverlust animiert Schulministerin zum Umdenken

Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtete vor einer Woche auf Seite 1 (Ausgabe vom 20./21. August 2016, „Grüne stellen G8 zur Debatte“):

Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) zeigt sich offen für eine Rückkehr zum Abitur nach neuen Jahren (G9) in Nordrhein-Westfalen. Auf der Pressekonferenz zum Auftakt des Schuljahres sagte sie, sie wolle die Lage am „Runden Tisch“ noch vor den Herbstferien neu beraten. Dabei wolle sie ergebnisoffen auf Augenhöhe mit den dort versammelten Vertretern von Eltern und Verbänden diskutieren. […]
Bislang hatte sich Löhrmann dafür ausgesprochen, nicht zum alten System zurückzukehren. Stattdessen sollte das achtjährige Modell verbessert werden. […]
Doch inzwischen hat sich unter anderem die „Landeselternschaft der Gymnasien in NRW“ neu positioniert und für eine Rückkehr zu G9 ausgesprochen. Auch die NRW-FDP verkündete in dieser Woche, künftig für eine Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 zu kämpfen. […]
Auch SPD-Politiker distanzieren sich inzwischen öffentlich von der verkürzten Schulzeit.

Ehrlich gesagt, sind wir es leid, die irrsinnige, orientierungslose Politik der Ministerin für Schule und Weiterbildung ausführlich und wohlgeordnet zu kommentieren. Heute so, morgen so. Hü, hott. Rein in die Kartoffeln, raus aus die Kartoffeln.

2010/2011 hat das Löhrmannsche Ministerium den ersten Tinnef zur Optimierung von G8 beschlossen (hier). Da dieser Tinnef in der Hauptsache wirkungslos war und die Ministerin den Unmut gewisser beharrlicher Bürgerinitiativen mitbekommen hat, lud sie 2014 zum Runden Tisch ein. Der hat, ohne den Tinnef von 2010/2011 als Tinnef zu erkennen, weiteren wirkungslosen Tinnef zur Optimierung von G8 vorgeschlagen (hier). Das Ministerium und der Landtag haben diesen Tinnef 2015 beschlossen, allerdings nicht nur für die von G8 betroffenen Gymnasien, sondern auch für die anderen Schulformen: Tinnef für alle (hier).

Jetzt, 2016, soll neu beraten werden? Worüber? Warum? Gibt es neue Argumente für oder gegen G8? Seit 2010 will die Ministerin G8 beibehalten und „optimieren“. Ist der Ministerin über Nacht ein Licht aufgegangen, dass ihre G8-Optimierungsversuche Tinnef sind? Oder hat sie etwa Schule intakt gelesen hat und ist so zur Besinnung gekommen? — Nein. Es geht hier nicht um Vernunft, sondern um Machterhalt. Es wäre ja blöd, wenn immer mehr Personen und Gruppen sich von G8 abwenden und die Ministerin und ihre grüne Partei die letzten wären, die auf dem falschen G8-Dampfer unterwegs sind.

Laut Kölner Stadt-Anzeiger sagte die Ministerin auf der Pressekonferenz übrigens: „Wir hätten diese Diskussion nicht in dieser Form, wenn nicht bald Wahl wäre.“ Tja, eine Demokratie mit Wahlen ist wirklich lästig; da muss die Mehrheit der Bürger von Tinnef überzeugt werden. In einer Diktatur wäre das nicht passiert. Wir hätten diese blöde Diskussion im Übrigen auch nicht, wenn ein einziges Mal mit Verstand diskutiert worden wäre. Die Ministerin sagte ferner im Hinblick auf mögliche Änderungen an den Gymnasien in Richtung G9: „So etwas vorzubereiten braucht Zeit. Und ich stehe dafür ein, dass Entscheidungen verantwortlich umgesetzt werden.“ Die Ministerin hat sich für die Optimierung von G8 entschieden. Sich aus Gründen des Machterhalts auf einmal anders zu entscheiden, hat mit verantwortlicher Umsetzung nichts zu tun, sondern mit Opportunismus.