Löhrmanns G8-Beruhigungspillen wirken nicht: 79 Prozent der Eltern für G9

Download PDF

Böse, wie wir manchmal sind, haben wir im Januar vermutet, dass die kleinkarierten G8-Optimierungsversuche der Schulministerin Sylvia Löhrmann nur eine beabsichtige Wirkung haben, nämlich die G8-kritische Bevölkerung zu beruhigen und das brisante Thema G8/G9 vor der nächsten Landtagswahl vom Tisch zu haben (siehe hier).

Der WDR meldet heute:

Die Diskussion über das Abitur nach acht oder neun Jahren scheint in NRW noch lange nicht beendet zu sein. Neuen Zündstoff bietet die am Samstag (16.04.2016) veröffentlichte repräsentative Umfrage der Landeselternschaft der Gymnasien NRW mit rund 50.000 Beteiligten: Danach sind 79 Prozent der Eltern für G9, bei der parallel durchgeführten Online-Umfrage sind es sogar 88 Prozent der Befragten.

Dumm gelaufen! Wir ahnen, wie die Ministerin dazu Stellung nehmen wird: „Schulentwicklung ist ein Prozess, der sich nicht per Knopfdruck steuern lässt. Die Maßnahmen brauchen Zeit, bis sie die gewünschte Wirkung voll entfalten.“ Blabla…

Wie lange will die Landesregierung an ihren realitätsfremden G8-Optimierungsversuchen festhalten? Bis Rot-Grün im Mai 2017 keine Mehrheit mehr bei den Landtagswahlen bekommt? Welche Partei könnte von dieser falschen, an der Bevölkerung vorbeigehenden Politik profitieren? Die fragwürdige AfD. (In deren „Programmkonvolut“ ist zu lesen: „Auf Grundlage eines ganzheitlichen Bildungsverständnisses fordern wir nach dem Vorbild Niedersachsen auch in NRW die Rückkehr zur neunjährigen Schulzeit am Gymnasium (G 9), mit der Möglichkeit für begabte Schüler, eine Klasse zu überspringen.“)

Sollte die AfD in einem Jahr mit zweistelligen Prozentwerten in den Landtag NRW einziehen (wie vor ein paar Wochen bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz), wird der Katzenjammer bei den etablierten Parteien groß sein. Dann werden auch Löhrmanns Beruhigungspillen nicht mehr helfen.

PS: In einem online-Artikel des Westfälischen Anzeigers vom 29.03.2016 („Kraft: SPD als Volkspartei nicht gefährdet – AfD inhaltlich stellen“) heißt es:

Zugleich sind auch die Sozialdemokraten angesichts der Wahlerfolge der rechtspopulistischen AfD unter Druck. […] Auch ihre Partei [von NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, SPD] habe bei den drei letzten Landtagswahlen viele Stimmen an die AfD verloren, die politisch rechtsaußen stehe. „Die AfD klebt sich gerne das Etikett an, sie wäre eine Partei des Sozialen.“ Das sei „mitnichten“ der Fall.
In NRW sieht die aktuellste Umfrage die AfD bei zehn Prozent. „Wir werden uns auch mit dieser Partei inhaltlich auseinandersetzen“, kündigte Kraft an, die für die SPD erneut als Spitzenkandidatin antreten will.

Frau Ministerpräsidentin, eine vernünftige Schulpolitik wäre von Vorteil, wenn Sie sich mit der AfD „inhaltlich auseinandersetzen“ wollen.