MINT-Babys an die Front des Wirtschaftsstandorts Deutschland!

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MINT, diese Abkürzung steht für Mathematik-Informatik-Naturwissenschaften-Technik. Dahinter stecken allerdings nicht nur diese einzelnen Fächer, sondern vielmehr der Versuch, deren Bedeutung zu erhöhen. Auf den Internetseiten der Kultusministerkonferenz (KMK) ist zu lesen:

Vor dem Hintergrund des absehbaren Fachkräftebedarfs im naturwissenschaftlich-technischen Bereich hat die Kultusministerkonferenz am 07.05.2009 „Empfehlungen zur Stärkung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Bildung“ beschlossen. Hier geht es u. a. um die frühe Förderung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Interesses, einen verstärkten Praxisbezug sowie die Gewinnung von Lehrkräften in den sogenannten MINT-Fächern.

Immer wenn die Kultusministerkonferenz sich etwas ausdenkt (falls von Denken überhaupt die Rede sein kann), ist Vorsicht geboten.

Zu den MINT-Initiativen gehört „MINT-EC“. Auf der zugehörigen Hompepage heißt es:

MINT-EC ist das nationale Excellence-Netzwerk von Schulen mit Sekundarstufe II und ausgeprägtem Profil in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT). Es wurde im Jahr 2000 von den Arbeitgebern gegründet und arbeitet eng mit deren regionalen Bildungsinitiativen zusammen.

Hauptförderer sind laut eigenen Angaben die Siemens-Stiftung, der Gesamtverband der Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie (Gesamtmetall) und die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie in Bayern (bayme vbm) sowie die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). Gesamtmetall steckt auch hinter der fragwürdigen „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ (INSM), die jedes Jahr den „Bildungsmonitor“ in Auftrag gibt. Schirmherrin von MINT-EC ist die KMK. (Warum eigentlich nicht die OECD?)

Eine weitere MINT-Initiative ist „MINT Zukunft schaffen“ von BDA und BDI (Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände bzw. Bundesverband der Deutschen Industrie). Auf der zugehörigen Internetseite heißt es unverblümt:

Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist gefährdet durch den Mangel an Nachwuchs in den MINT-Qualifikationen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). […]
Die notwendige Stärkung von MINT-Fähigkeiten und -Fertigkeiten betrifft alle Bildungsbereiche: von der frühkindlichen Bildung über die allgemeinbildende Schule, die Berufsbildung, die Hochschule und die berufliche Weiterbildung.

MINT-Babys an die Front zur Sicherung des Wirtschaftsstandorts Deutschland! Es war eine kulturelle Errungenschaft, Kindern ihre Kindheit, ihr Kindsein einzuräumen. Dass man dahinter zurückfällt, ist erschreckend. Liebe Kultusminister, warum nennt Ihr Euch nicht Hilfswirtschaftsminister? Es bestätigt sich, was wir 2014 im Beitrag „Bildung und Schule unter dem Regime von PISA, Bertelsmann & Co.“ geschrieben haben: In der Schule geht es nicht mehr vorrangig um Bildung, sondern um die Bildung von Humankapital.

PS: Es ist merkwürdig, dass auf der einen Seite angeblich die „MINT-Fähigkeiten und -Fertigkeiten gestärkt“ werden sollen, dass aber auf der anderen Seite der Mathematikunterricht abgewickelt wird und dass der Stoff unter anderem dank GTR und hirnrissigen Modellierungsaufgaben selbst an manchem Lehrer vorbeigeht (siehe zum Beispiel hier und hier).

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Quellen/Verweise: