Jesper Juul über „Bildungsdruck“

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„Für mich ist es immer wieder eine furchtbare Erfahrung, wenn aufgeweckte Kinder, die über so viel Lebensfreude, Intelligenz und gute Voraussetzungen verfügen, Tag für Tag leiden müssen.“

Jesper Juul schreibt in seinem Buch „Schulinfarkt. Was wir tun können, damit es Kindern, Eltern und Lehrern besser geht“ (2013, Kösel-Verlag, München, S. 17-21):

Als ich vor über fünfzehn Jahren meine Arbeit in Deutschland begann, konnte ich mit dem Wort Bildungsdruck, das mir immer wieder begegnete, nicht so viel anfangen. Doch je mehr Eltern, Kindern und Jugendlichen ich begegnete, desto stärker verspürte ich diesen Druck am eigenen Leib. Es ist ein Phänomen, das ich in Dänemark und den anderen skandinavischen Ländern nie in ähnlicher Weise erlebt habe. […]

Dieser Bildungsdruck ist nicht nur zum Scheitern verurteilt, sondern auch äußerst ungesund […]. Denn jedes Mal, wenn wir unseren Kindern sagen, sie müssten den Anforderungen der Schule unbedingt gerecht werden, weil sie sonst keine Zukunft hätten, tötet das ihre innere Stimme und hindert sie daran, ihr Selbstgefühl zu entwickeln. […]

Für mich ist es immer wieder eine furchtbare Erfahrung, wenn aufgeweckte Kinder, die über so viel Lebensfreude, Intelligenz und gute Voraussetzungen verfügen, Tag für Tag leiden müssen. Was nicht etwa an einzelnen schlechten Lehrern liegt, sondern an einer allgemeinen Stimmung und Lernatmosphäre, die man nur als unmenschlich bezeichnen kann. […]

Um die allgemeine Atmosphäre rund um die Schule zu entspannen, sollten wir zunächst einsehen, dass die allgemeine Schulpflicht, wie sie in Deutschland herrscht, ein überflüssiges Relikt aus alten Zeiten ist und durch ein Bildungsrecht ersetzt werden sollte.

1 Kommentar

  1. Achim Brauer

    Danke!

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