Corona und Armin Laschet

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R = 0,448 %, „weil wir so gut sind in Nordrhein-Westfalen“.

Armin Laschet muss man einfach mögen, wenn auch nicht unbedingt wegen seiner Politik. In Fernsehinterviews kommt der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen meistens locker und lustig daher. Nicht so bierernst-staatstragend wie zum Beispiel sein Pendant aus Baden-Württemberg. Die gute Laune des Düsseldorfer Regierungschefs ist fast ansteckend. (Man kann sich nicht nur mit Viren, sondern auch mit positiven Dingen anstecken lassen!)

Laschets Lockerheit mag dazu führen, dass ihm der eine oder andere Fehler unterläuft. Auch das ist sympathisch. Es spricht zwar nichts dagegen, Fehler zu vermeiden; aber Irren ist bekanntlich menschlich, und Fehler gehören zum Leben dazu. Zum Beispiel der hier (Quelle: Spiegel)

Klausuren verloren, Noten ausgedacht

CDU-Landeschef Armin Laschet will nach einem Malheur seine Lehrtätigkeit an der Technischen Hochschule in Aachen aufgeben. Erst verlor er Klausuren, dann ermittelte er freihändig Ersatznoten – auch für Studenten, die gar nicht mitgeschrieben hatten.

Das kann jedem mal passieren. Auch das hier:

Darüber sollte man sich nicht lustig machen, wie Oliver Welke es getan hat (Heute Show vom 3. April 2020):

Auch die Parole „Zuhause bleiben“ sieht der NRW-Ministerpräsident nicht so eng. Laut merkur.de sagte Bundeskanzlerin Merkel nach den Beratungen mit den Ländern vor Ostern, die Menschen sollten generell auf private Reisen und Besuche – auch von Verwandten – verzichten.

Laschet hingegen auf WDR aktuell am 3. April 2020: „Wer das kann, einfach mal drauf losfahren! […] [D]ass man die eigenen vier Wände bei diesem Wetter verlassen muss, ist, glaube ich, ganz normal.“ — Immer locker bleiben und einfach mal drauf losfahren!

Auch dass Laschet sich in WDR extra vom 30. April gleich zweimal beim R-Faktor für die Corona-Pandemie leicht vertut, ist nicht so tragisch — einfach mal Fünfe gerade sein lassen! Er sagte nämlich:

Der R-Faktor in Deutschland liegt — Stand heute — bei 0,76 Prozent; 1 ist so die Marke, die man nicht überschreiten sollte. In Nordrein-Westfalen liegt er bei 0,448 Prozent. Wir haben die zweitgeringsten Infektionen in ganz Deutschland. Und das zeigt, dass unser behutsamer Kurs in den letzten Wochen wirkt.

R = 0,448 % — der Traum jedes Virologen! Einem Juristen wie dem netten NRW-Ministerpräsidenten sollte man das nachsehen. Statt den Fehler — für Unwissende: 0,448 ist 100-mal so groß wie 0,448 Prozent — zu bemerken und obwohl Laschet bereits eine Erklärung gebracht hat, fragt die Moderatorin:

Haben Sie eine Erklärung dafür, warum Nordrhein-Westfalen, das ja früh und vergleichsweise viel gelockert hat, dennoch bei diesem R-Faktor so gut dasteht?

Laschet sichtlich erfreut und ohne jede Überheblichkeit, wie es vielleicht für einen Ministerpräsidenten aus Bayern typisch wäre:

Ja, weil wir so gut sind in Nordrhein-Westfalen […].

Wenn das keine sympathische Erklärung für R = 0,448 Prozent ist! Herr Ministerpräsident, Sie sind großartig. Keep NRW great!

1 Kommentar

  1. Franz Lemmermeyer

    Von allen Ministerpräsidenten in diesem Land ist mir Laschet der mit Abstand unsympathischste. Was für mich schon eine Leistung darstellt, weil die CSU ja traditionell auch einen stellt. Und wenn es einen Dialekt gibt, den ich noch weniger hören mag als den sächsischen, dann ist es der von Laschet. Insofern muss ich zugeben, dass ich seine Art nicht mit Humor nehmen kann. Die Frage, was man in NRW eigentlich noch wählen kann, ist langsam wirklich interessant.

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