Inklusion und das dazugehörige Bildungsgerede

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Zum Thema „Inklusion“ und dem dazugehörigen Bildungsgerede verweisen wir auf einen Beitrag vom 16.01.2015 auf den Nachdenkseiten: „Wie man öffentlich über ‚Inklusion‘ spricht (und was man daraus schließen kann)“ von Clemens Knobloch (http://www.nachdenkseiten.de/?p=24597). Ein kleiner Auszug:

Als Sprachwissenschaftler ziehe ich natürlich den Hut und bewundere die Chuzpe, mit der ein institutionell ausdifferenziertes System von Fördereinrichtungen für Lernbehinderte mit einem Federstrich als Diskriminierung Lernbehinderter umdefiniert und abgeschafft werden kann. Das ist eine Politik, der man Orwell´sche Qualitäten nicht absprechen kann. Aber wir haben ja auch geschluckt, als wir zum ersten Mal hören und lesen mussten, dass Krankenhäuser Gewinn machen sollten und der Staat seine Armen durch Sozialhilfe entmündigt und ihrer Eigeninitiative beraubt. […]
Für die Betreuung förderbedürftiger Schüler bedeutet sie [die Inklusion] radikale Entprofessionalisierung und für das Lehrpersonal an inklusiven Einrichtungen ebenso radikale Überforderung. Woher soll ein gewöhnlicher Lehramtsstudierender Expertise über die Unterrichtung von Blinden, Tauben, Körperbehinderten, Autisten, ADHS-Kindern, Lernschwachen, psychisch Auffälligen etc. nehmen? […]
Dieses Unternehmen [die Bildung dem Marktprinzip zu unterwerfen] gedeiht nämlich langfristig nur, wenn die Delegitimierung des allgemeinen und öffentlichen Schulsystems weitergetrieben werden kann. Und dazu wird die Inklusion einen Beitrag leisten. Weil sie nämlich auf der Vorderbühne als moralisch positives Image etabliert, was auf der moralisch entartikulierten Hinterbühne das öffentliche Schulwesen weiter schwächt.