Corona und die Belastungsgrenze

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Stress schwächt das Immunsystem. Schon mal davon gehört, Herr Gesundheitsminister?

Soso, Covid-19 bringt das deutsche Gesundheitssystem an seine Belastungsgrenze. Hier eine Grafik1 der Bundesregierung:

Und deshalb werden drastische Maßnahmen ergriffen.

Wenn — unabhängig von Corona — ein einzelner Arbeitnehmer (oder Freiberufler etc.) wegen Überlastung oder anderer widriger Umstände am Arbeitsplatz krank wird — was ja vorkommen soll –, interessiert das niemanden. Wie oft schleppt sich ein Angestellter aus Pflichtgefühl oder aus Angst vor Kündigung krank zur Arbeit? Wie oft geht er — zum Beispiel bei einer „einfachen“ Erkältung oder Grippe — nach Krankschreibung wieder zur Arbeit, auch wenn er noch nicht auskuriert ist?

Diese „normalen“ Krankheitsfälle scheint die Volkswirtschaft (samt Gesundheitswesen) sich leisten zu können, genauso wie ein gewisses Maß an Arbeitslosigkeit. Folglich schert man sich herzlich wenig um die Ursachen.

Die „Neurologen und Psychiater im Netz“ schreiben:

Chronischer Stress durch Arbeitsüberlastung im Berufsleben oder vor Prüfungen, durch familiäre Probleme, traumatische Erlebnisse und andere über längere Zeit andauernde psychische Belastungen hat ein Absinken von bestimmten Substanzen des Immunsystems zur Folge, die der Abwehr von Krankheitserregern dienen. Gleichzeitig werden Stresshormone ausgeschüttet, die eine angemessene Immunantwort des Organismus unterdrücken.

Hat man jemals einen führenden Politiker sagen hören, dass Stress das Immunsystem schwächt? Warum rät die Bundeskanzlerin, soziale Kontakte nach Möglichkeit einzustellen, aber nicht, Stress zu vermeiden?

Hat irgendein Politiker das Buch „Noch so ein Arbeitstag, und ich dreh durch!“ von Martin Wehrle gelesen? Der Autor schreibt darin:

Ich fordere den Bundestag auf, ein firmenbezogenes „Melderegister der miesen Arbeitgeber“ zu etablieren: für Mobbing, Burnout und Selbstmorde, die mit der Arbeit zusammenhängen, ähnlich wie in Frankreich.

Ein „Melderegister der miesen Schulen“ wäre auch keine verkehrte Idee.

Unabhhängig von Corona gäbe es eine Menge zu tun, wenn man es mit der Gesundheit in der Gesellschaft ernst meinen würde.


PS:
Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen stellt den Verlauf der Corono-Fallzahlen übrigens etwas anders dar:

Offenbar stehen in NRW nur Polynomfunktionen zur Modellierung zur Verfügung…



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Zum Weiterlesen und Nachdenken:

NachDenkSeiten: „Coronavirus: ‚Schon für das normale Tagesgeschäft sind Kliniken aus pflegerischer Sicht nicht gewappnet‘

NachDenkSeiten: Wer hat recht? Drosten oder Wodarg?

Rüdiger Dahlke: „Die Grippewelle rollt und rollt oder: ‚Aggression als Chance'“



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  1. Die wird vermutlich in eine Modellierungsaufgabe des Zentralabiturs 2021 eingehen…

2 Kommentare

  1. Anonymous

    Mich macht dieser Artikel nachdenklich:

    https://amp.welt.de/wirtschaft/article206586337/Coronavirus-Kontrollierte-Infizierung-ist-die-beste-Strategie.html?wtrid=upday

    Warum lassen die beamteten Lehrer die Kinder nicht einfach 5 Wochen Osterferien machen? Die Sonne scheint, wenig Autos auf den Straßen, viele Eltern sind daheim. Die beste Gelegenheit, ein anderes Leben einzuüben. Beamte könnten sich an den Krankenhäusern und den Altenheimen melden und die Pflegekräfte unterstützen. Dafür haben wir Beamte, die in einem Notstand vor allem dem Staat dienen sollten. Stattdessen werden Kinder mit digitalen Anforderungen an den Schreibtisch gefesselt. Nach dem Virus werden Milliarden in die Digitalisierung gesteckt, damit möglichst effektiv in das private Heim kommuniziert werden kann. Der Betrieb ist zu! Hurra, ich kann zuhause arbeiten!

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  2. Claudia Osterfeld

    Ich lese diesen Blog ja schon seit Längerem. Dieser Artikel ist allerdings der beste von allen, weil er nicht nur das Gymnasium, sondern die Lehrerschaft insgesamt in NRW betrifft.
    Die Vorschläge finde ich gut. Ich habe auch schon überlegt, ob ich mich irgendwo melden soll.

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